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Dr. Christoph Glowatz
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Einleitung

Verfügbarkeit im IT-Betrieb

Der Begriff „Verfügbarkeit (availability)“ spielt eine zentrale Rolle in der täglichen Praxis des industriellen IT-Betriebs, egal ob für den Systemadministrator (soll für Verfügbarkeit sorgen), den Service-Manager (soll Verfügbarkeit garantieren), den Vertriebsbeauftragten (will Verfügbarkeit verkaufen) oder den Anwender (kann ohne Verfügbarkeit nicht arbeiten und regt sich fürchterlich auf). Obwohl der Begriff „Verfügbarkeit“ zunächst intuitiv klar zu sein scheint (Verfügbarkeit = funktioniert, man kann damit arbeiten...) wird er schnell knifflig, sobald zwischen IT-Provider und IT-Nutzer Pönale-relevante Verfügbarkeits-Vereinbarungen ausgehandelt werden. Die beiderseitigen Vorstellungen und Interpretationen einer Verfügbarkeit gehen je nach Interessenlage häufig in andere Richtungen.

Die Zuverlässigkeits-Theorie

Es kann daher nicht schaden, sich mit den Hintergründen der "Verfügbarkeit" zu beschäftigen, um eine objektive Basis zu finden. Diese Hintergründe findet man in der Zuverlässigkeits-Theorie begründet, die sich mit der Beurteilung, Prognose und Verbesserung der Zuverlässigkeit technischer Systeme beschäftigt. Ihren Ursprung nahm die Zuverlässigkeits-Theorie (auch reliability engineering) in den Bereichen, in denen das Versagen eines Systems im schlimmsten Fall Menschenleben gefährdet, vornehmlich in der Luftfahrtindustrie, dem Militär, dem Fahrzeugbau und dem Kraftwerk-Anlagenbau. Die Methoden lassen sich aber auch auf Bereiche übertragen, in denen Systemausfälle "nur" hohe Kosten verursachen, also auch in der Datenverarbeitung. Es hat wohl jeder schon einmal Abschätzungen für Kosten gelesen, die beim Ausfall einer Wertpapierhandels-Plattform, eines online-bankings oder einer Rechnungserstellung anfallen. Grund genug für IT-Nutzer und IT-Provider, sich intensiv mit der Verfügbarkeit von Systemen und Komponenten auseinander zu setzen.

Der Anwender definiert die geforderte Verfügbarkeit

Der IT-Nutzer muss seine Ansprüche an die Verfügbarkeit seiner Applikation deutlich formulieren und klar machen, dass der Gegenstand der Verfügbarkeit anwenderseitig definiert wird. Die Verfügbarkeit einzelner IT-Komponenten ist kein Selbstzweck, sondern dient der Verfügbarkeit des als Einheit betrachteten Anwendungs-Systems. Ein einwandfrei laufender Unix-Server mag seinen Administrator befriedigen, nutzt bei Netzausfall dem Endanwender allerdings wenig. Der IT-Nutzer und der IT-Provider müssen daher gemeinsam die relevanten Komponenten eines Systems identifizieren. Eine Analyse der Abhängigkeiten der Komponenten und des Anwendungs-Workflows durch die Komponenten ermöglicht eine Risikoabschätzung für das System. Auf der Basis dieser Analyse, deren Komplexitätsgrad sehr variabel ist, können die Hauptfehlerquellen identifiziert und Komponentenverfügbarkeiten gefordert werden. Daraus ergeben sich wiederum die Anforderungen an die Qualität der eingesetzten Komponenten, der angewandten Prozesse und der mit deren Umsetzung betrauten Mitarbeiter. Um eine objektive Bewertung dieser Qualitäten und des erzielten Resultats zu ermöglichen, müssen sich IT-Nutzer und IT-Provider auf ein Bewertungsmodell und Verfahren zur Verfügbarkeitsmessung einigen.