Home
Einleitung
Begriffsdefinitionen
Die Verfügbarkeit A
Die Zuverlässigkeit R
Einfache Beispiele
R, A und die MTBF
Warum fallen Systeme aus?
Verfügbarkeitsklassen
Wahrscheinlichkeit und Prognose
Messung und Prognose
R als Wahrscheinlichkeit
Mathematischer Exkurs
Die zeitabhängige Ausfallrate
A als Wahrscheinlichkeit
Versicherung und Garantie
Die zeitliche Bezugsbasis
Alle Grössen im Überblick
Risikoanalyse
Verfügbarkeitsmodellierung
Das Schichtenmodell
Eine fiktive Anwendung
Die Blockdiagrammanalyse
Die Fehlerbaumanalyse
Die Monte-Carlo-Methode
Pauschal-Modelle
Gruppen und Mittelwerte
Verfügbarkeitsmessung
Halbherzige Ansätze
Gezielte Anforderungen
Gezielte Methoden
Bewertung
Quellen
Links&Literatur
Kontakt
Dr. Christoph Glowatz
Hilden

Begriffsdefinitionen

Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit

IT-Dienstleistungen bestehen aus Diensten (Services), denen man Qualitätsmerkmale zuordnen kann. Solche Dienste sind z.B. das IP-Netzwerk, das zentrale Daten-Backup, ein Storage-Area-Network (SAN), die zentrale Jobsteuerung oder die zur Verfügung gestellte CPU-Zeit (also der Server selber). Solche Qualitätsmerkmale sind
  • die Zuverlässigkeit (reliability), die die Funktion und Verfügbarkeit garantiert
  • die Wart- und und Reparierbarkeit (serviceability), die die Aufrechterhaltung des Dienstes gewährleistet, ihn bei Bedarf verbessert und im Fehlerfall wiederherstellt
  • die Überwachung (monitoring), die Engpässe und Ausfälle feststellt
  • die Beratung (support), die den Dienst dokumentiert und kommentiert und Fragen und Beschwerden qualifiziert entgegen nimmt.
  • die Skalierbarkeit (scalability), die bei Bedarf für das Wachstum des Dienstes sorgt.
Diese Liste ist um die Verfügbarkeit erweiterbar, obwohl sie, wie wir sehen werden, darin schon enthalten ist, nämlich in der Kombination von Zuverlässigkeit und Reparierbarkeit. Dieses Trio spielt eine große Rolle und hat auch seine eigene Abkürzung bekommen: RASReliability, Availability, Serviceability. Diese drei Grössen beantworten folgende Fragen:

1.Reliability: Wie oft fällt ein System oder eine Komponente in einem bestimmten Zeitraum aus? Wie fehleranfällig ist die Komponente? Oder komplementär: Wie zuverlässig ist das System?

2.Serviceability: Kann ich eine fehlerhafte Komponente reparieren oder ersetzen? Und wenn ja, wie lange dauert es, bis sie wieder funktioniert?

3.Availability: Wie lange fällt ein System oder eine Komponente insgesamt in einem bestimmten Zeitraum aus? Oder komplementär: Wie verfügbar ist das System?

Wie bereits angedeutet erkennen wir, dass sich die Verfügbarkeit auf die Zuverlässigkeit und Reparierbarkeit zurückführen lässt. Wenn man weiß, wie oft z.B. ein Server im Monat ausfällt und man auch die Dauer einer Reparatur kennt (time back to service, mean down time), so kann man leicht auf die tatsächliche Verfügbarkeit des Servers rückschließen. Drei Server-Crashes mit einer jeweiligen Downtime von 30 Minuten pro Monat bei einer Betriebszeit von 7x24 Stunden bedeuten eben, dass die monatliche Verfügbarkeit um 1,5 Stunden gemindert ist. Und diese Aussage ist für den Endanwender schließlich wichtig: Er kann im Monat 1,5 Stunden lang nicht mit dem System arbeiten. Wir werden die Begriffe im nächsten Kapitel exakter fassen und einer quantitativen Betrachtung zugänglich machen. Die Verfügbarkeit scheint somit der wichtigere Begriff zu sein, allerdings sind auch Situationen denkbar, in denen es ohne Rücksicht auf die Reparaturzeit auf die bloße Ausfallhäufigkeit ankommt. Man denke z.B. an eine langwierige Berechnung, die sich nicht auf der Basis von gespeicherten Zwischenergebnissen wieder aufnehmen lässt und bei jedem systembedingten Abbruch neu gestartet werden muss. Darüberhinaus ist die Zuverlässigkeit bzw. ihre komplementäre Größe, die Ausfallhäufigkeit, eher einer statistischen Betrachtung zugänglich als die Verfügbarkeit. Bei Fehlerfällen in anderen technischen Bereichen ist eine Reparatur oft gar nicht möglich oder nicht mehr relevant, z.B. beim Abbruch einer Flugzeugtragfläche während des Fluges. Hier kommt es dann ausschließlich auf die Zuverlässigkeit an.