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Dr. Christoph Glowatz
Hilden

2. Wahrscheinlichkeiten und Prognosen

Von der Messung zur Prognose

In den oben angeführten Beispielen haben wir die Verfügbarkeit nach dem Motto „hinterher ist man immer schlauer“ im Nachhinein mit voller Kenntnis der tatsächlich aufgetretenen Ausfallzeiten des Systems berechnet. So werden es der IT-Provider bzw. der IT-Nutzer auch machen, um entweder den vertraglich zugesicherten Verfügbarkeits-Level zu dokumentieren oder seine Verletzung nachzuweisen. Doch auf welcher Basis kann der IT-Provider überhaupt einen Verfügbarkeits-Level zusichern? Da er nicht hellsehen kann, muss seine Zusage auf Erfahrungswerten basieren, die eine Prognose für die Zukunft erlauben. Damit werden die Zuverlässigkeit und die Verfügbarkeit zu Prognosen, die auf Wahrscheinlichkeiten basieren. Ein CPU-Produzent, der viele hunderttausend Stücke in gleicher Weise produziert hat, wird eine Aussage dazu treffen können (zumindest wenn er seinen Job ernst nimmt), wie oft und nach welchen Betriebszeiten seine Produkte fehlerhaft werden. Im besten Fall ermittelt er selber unter Laborbedingungen Ausfallrate und MTBF einer Vielzahl von CPUs. Dann wertet er die erhaltenen Messungen statistisch aus, bestimmt die mittlere Ausfallrate und kann über das Gesetz der großen Zahl diese mittlere Ausfallraten als wahrscheinliche Ausfallrate der einzelnen CPU angeben. Der bereits verwendete Begriff der „mittlere Ausfallraten“ bekommt so noch etwas mehr Inhalt. Mit diesem Verständnis der Zuverlässigkeit als Wahrscheinlichkeitsaussage geht man von der Frage „Wie zuverlässig war die Komponente? Wie oft ist sie ausgefallen?“ zur Frage „Wie zuverlässig wird die Komponente sein? Wie oft wird sie wahrscheinlich ausfallen?“ über.

Die Verfügbarkeit A kann demzufolge in doppelter Hinsicht interpretiert werden:

  • Sie ist ein Maß für die Qualität des in der Vergangenheit gelieferten Services
    und
  • Sie ist Maß für die Wahrscheinlichkeit dafür, in der Zukunft einen Service geliefert zu bekommen
Die Analyse der Vergangenheit erlaubt bei konstanten Randbedingungen eine Prognose für die Zukunft. Die Prognose erlaubt eine Risiko-Bewertung und erzwingt gegebenenfalls Risiko-mindernde Maßnahmen. Auch die zugesicherten SLA's können entsprechend angepasst werden. Die nachfolgende Grafik illustriert diese Zusammenhänge: